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Vollständiger Bericht

Kapitel einzeln

Im Gespräch

1.FC Lebensqualität und Klimaschutz

Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister von Heidelberg, und Geschäftsführer Prof. Dr. Rudolf Irmscher, im Interview

Herr Prof. Würzner, die Stadt Heidelberg ist schon lange Vorreiter im Klimaschutz. In 2019 ist sie mit dem 30-Punkte-Plan noch einen Schritt weitergegangen. Was haben Sie vor?

WÜRZNER Wir haben uns mit dem Masterplan 100 % Klimaschutz 2012 das Ziel gesetzt, bis 2050 eine klimaneutrale Kommune zu werden. Zusammen mit vielen Partnern in der Stadtgesellschaft haben wir dazu einen Maßnahmenplan erarbeitet. Mit dem 30-Punkte-Plan, haben wir nun Zwischenziele für die Jahre 2025 und 2030 sowie 30 weiterführende Maßnahmen definiert. Unsere Ergebnisse im Klimaschutz sind schon jetzt überdurchschnittlich. Der 30-Punkte-Plan gibt dem Klimaschutz in Heidelberg noch einen zusätzlichen Push.

Welche Rolle haben die Stadtwerke Heidelberg bei diesen Planungen?

WÜRZNER Ganz einfach: Ohne die Stadtwerke geht es nicht. Die Stadtwerke Heidelberg haben eine der Hauptrollen. Mehrere große Maßnahmen im 30-Punkte-Plan liegen in ihrer Verantwortung. Hier beweist sich: Es ist gut, dass wir sie als 100-prozentig kommunales Unternehmen an unserer Seite haben. Nur so können wir die Zukunft unseres Energiesystems selbst gestalten.

Herr Prof. Irmscher, welche Maßnahmen aus dem 30-Punkte-Plan liegen bei Ihnen?

IRMSCHER Womit fange ich an? (lacht…) Zunächst einmal arbeiten wir mit der Stadt daran, das Wachstum von Heidelberg klimaneutral zu gestalten. So entwickeln und realisieren wir technische Lösungen für eine klimaneutrale Versorgung in den Neubauquartieren. Ein weiteres großes Feld ist die Bereitstellung von immer grünerer Fernwärme. Ab 2020 wollen wir alle Fernwärmekunden mit Wärme beliefern, die zu 50 Prozent CO2-frei ist. Bis 2025 werden wir ein Drittel selbst erzeugen, und bis 2030 soll sie weitestgehend CO2-neutral sein. Aktuell führen wir eine Potenzialerhebung durch, wie dies aus Kostensicht am besten erreicht werden kann.

Bis 2025 unterstützen wir die Stadt weiter, die Photo­voltaik deutlich auszubauen. Zudem wollen wir bis dahin allen Bürgern in der Grundversorgung 100 Prozent CO2-neutralen Strom liefern. Auch im Verkehrsbereich sind wir aktiv: Unsere Garagengesellschaft sorgt für mehr Fahrradabstellanlagen und zeigt mit unserem entstehenden Parkhaus im hip, wie gut Klimaschutz und Parken zusammenpassen können.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie, unter deren Fokus 2020 steht, auf diese Vorhaben aus?

IRMSCHER Wir liegen nach wie vor gut im Plan. Auch die großen Projekte wie der Energie- und Zukunfts­speicher laufen weiter wie vorgesehen.

Das klingt vielversprechend. Herr Prof. Würzner, was hat Klimaschutz für Sie mit Lebensqualität zu tun?

WÜRZNER Das zeigte sich eindrucksvoll im Frühling 2020: Im dritten Jahr hintereinander hatten wir eine längere Trockenperiode – die Natur kann sich kaum erholen. Natur steht jedoch für Lebensqualität pur. Deshalb haben wir uns dazu verpflichtet, das 1,5 Grad-Ziel anzuerkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Ein Punkt ist mir dabei allerdings wichtig: dass wir die Menschen mitnehmen. Klimaschutz funktioniert nur, wenn sie von breiter Akzeptanz getragen wird.

IRMSCHER Diese Einschätzung möchte ich klar unterstützen: Klimaschutz lässt sich nicht verordnen. Ohne Akzeptanz können Klimaschutzbestrebungen schnell die Unterstützung verlieren. Uns ist es daher ein zentrales Anliegen, unsere Maßnahmen den Bürgern nahezubringen. Deshalb haben wir im März 2019 die Tage der offenen Baustelle am Energie- und Zukunftsspeicher veranstaltet, zahlreiche Führungen an unserem Energiepark über das Jahr hinweg angeboten und Ende 2019 mit rund 2.000 Schülerinnen und Schüler ein großes Klimaschutz-Projekt an Heidelberger Schulen durchgeführt. All das sind Beiträge, um Akzeptanz für den Klimaschutz zu gewinnen. Diese Arbeit wollen wir auch weiter leisten. Dass wir damit bisher ganz gut unterwegs sind, belegt unser Platz 1 beim bundesweiten Stadtwerke Award 2019, den wir für die Kommunikation rund um unseren Energie- und Zukunftsspeicher erhalten haben. Das hat uns sehr gefreut – und uns darin bestärkt, unseren Weg fortzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.