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Stadtwerke Heidelberg

20.000.000
Liter Puffer für immer grünere Wärme

Mit unserer großen blauen Thermoskanne wird Heidelberg noch ein bisschen grüner: Der Energie- und Zukunftsspeicher ist ein Puffer für immer grünere Wärme – und ein weit sichtbares Symbol für ein Energie­system mit Zukunft.

Stadtwerke Heidelberg

Klimaschutz war ein beherrschendes Thema im Jahr 2019. Uns hat es zusätzlichen Rückenwind für den laufenden Umbau unseres Energiesystems gegeben.

Ziele der Energiekonzeption 2020/ 2030

WÄRME

  • 50 Prozent grüne, CO2-freie Wärme für alle Fernwärme-Kunden bis 2020
    • Ende 2019 bereits 20 Prozent erreicht
  • Ein Drittel Eigenerzeugung für die Fernwärme in Heidelberg bis 2025
    • Ende 2019 bereits 25 Prozent erreicht
  • Zielformel 2030 für die Fernwärme: ein Drittel Eigenerzeugung, ein Drittel Bezug aus CO2-freier Abwärme, ein Drittel Bezug aus Kraftwärmekopplung
  • Anteil der Fernwärme am Wärmemarkt von 42 Prozent (2009) auf 50 Prozent steigern
    • 2019 rund 47 Prozent erreicht

www.swhd.de/energiekonzeption

STROM

  • Anteil erneuerbarer Energien am Strom signifikant erhöhen: über 80 Prozent erreicht
  • 100 Prozent grüner Strom für die Bürgerinnen und Bürger, die sich in der Versorgungspflicht durch die Stadtwerke befinden: 100 Prozent gesichert
  • Sieben Megawatt installierte Leistung an Photovoltaik in Heidelberg und den Partnergemeinden bis 2021
  • Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte für Elektromobilität in Heidelberg zusammen mit der Stadt Heidelberg von 49 (2017) auf 150 bis Ende 2020 steigern

PARTIZIPATION UND GEMEINSCHAFT

  • Energiewende und Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe zusammen mit Partnern meistern

Vor zehn Jahren haben wir unsere Energiekonzeption 2020 erstmals öffentlich vorgestellt – einen klaren Plan für die Energiewende vor Ort. Unseren ursprünglichen Zeithorizont, das Jahr 2020, haben wir nun erreicht. Und die nächsten Planungen stehen schon: Denn seit mehreren Jahren entwickeln wir unser Konzept mit Blick auf das Jahr 2030 weiter.

Noch nie hatten wir dabei so viel Rückenwind für unsere Aktivitäten wie im letzten Geschäftsjahr: 2019 stand so stark unter dem Fokus des Klimaschutzes wie kein anderes Jahr zuvor. Die Fridays for Future-Bewegung hat weltweit Proteste organisiert, und die EU zum Ende des Jahres den Green Deal verabschiedet: Sein Ziel ist es, dass Europa bis 2050 klimaneutral wird.

Diese Entwicklungen haben uns gezeigt: Mit unserer Energiekonzeption haben wir vor zehn Jahren die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Die gesellschaftliche Debatte unterstützt uns nun: Denn Klimaschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben, und es braucht die gesellschaftliche Akzeptanz, dass wir ihn sicherstellen wollen. Heidelberg geht dabei voran. Im Mai 2019 hat die Stadt als eine der ersten Kommunen den Klimanotstand ausgerufen, und im Herbst 2019 hat der Gemeinderat einen 30-Punkte-Plan für den Klimaschutz verabschiedet. Viele Maßnahmen aus unserer Energiekonzeption 2020/ 2030 sind in diesen Plan eingeflossen, weitere Maßnahmen haben sich dadurch geschärft.

Im Jahr 2019 ging der Bau des Energie- und Zukunftsspeichers voran. Der Technikteil des Gebäudes hat seine finale Höhe erreicht, der Speicher wurde mit Fernwärmewasser befüllt, gedämmt und ans Netz angeschlossen.

Energie-und Zukunftsspeicher 2019
Energie-und Zukunftsspeicher 2019

Im Jahr 2019 ging der Bau des Energie- und Zukunftsspeichers voran. Der Technikteil des Gebäudes hat seine finale Höhe erreicht, der Speicher wurde mit Fernwärmewasser befüllt, gedämmt und ans Netz angeschlossen.

Immer mehr grüne Wärme für unsere Kunden

Während viele staatlichen Maßnahmen der Vergangenheit vor allem auf den Strombereich fokussierten, gibt es im Bereich Wärme noch Nachholbedarf. Unser Fernwärmenetz ist eine wertvolle Infrastruktur für die Wärmewende: Denn wird sie genutzt, um Wärme aus erneuerbaren Energien zu transportieren, erreicht es damit gleich alle angeschlossenen Haushalte auf einmal. Deshalb bauen wir unsere Fernwärmenetz weiter aus und sorgen über unsere Energiekonzeption 2020/ 2030 dafür, dass die Fernwärme für unsere Kunden immer grüner wird: Hocheffiziente Kraftwärmekopplung, erneuerbare Energien, Energie speichern und umwandeln je nach Bedarf – das sind die wichtigsten Eckpunkte der Energiekonzeption 2020/ 2030 im Bereich Wärme. Seit 2010 haben wir rund 75 Millionen Euro in die Umsetzung unseres Plans investiert.

Was wir bisher erreicht haben

Eine der ersten Maßnahmen war der Bau des Holz-Heizkraftwerks in unserem ENERGIEpark Pfaffengrund, betrieben mit Landschaftspflegematerial sowie Grünschnitt aus einem Umkreis von rund 75 Kilometern um den Standort.

Allerdings sind diese Rohstoffe in der Region nur begrenzt verfügbar. Deshalb wurden ergänzend sechs neue Blockheizkraftwerke, betrieben mit Biomethan und Erdgas, gebaut. Damit wir auch langfristig mit Biomethan versorgt sind, haben wir uns an einer Biomethanaufbereitungsanlage beteiligt. Der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Wärmeversorgung stieg damit von Null auf rund 20 Prozent. Die Eigenerzeugung liegt inzwischen bei 25 Prozent.

WACHSENDEN
KÄLTEBEDARF

klimaschonend decken –
mit Fernkälte

Weitere Investitionen gingen in den aktuell entstehenden Energie- und Zukunftsspeicher. Seine Aufgabe: Wärme speichern und sie wieder abgeben, wenn sie benötigt wird. Damit wird das Energiesystem noch flexibler. Im Jahr 2019 ging sein Bau stetig voran. Am 20. Oktober 2019 wurde er von Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke Heidelberg, erstmalig mit dem Fernwärmenetz verbunden. Schon in 2020 wird er den technischen Betrieb aufnehmen. Zudem haben wir kleinere Kraft-Wärmekopplungs-Anlagen bei unseren Kunden ausgebaut und investieren darüber hinaus in Fernkälteanlagen, um auch den steigenden Bedarf nach Kühlung klimaschonend zu decken.

iKWK – DAS
ERFOLGSTRIO

Blockheizkraftwerke,
Luftwärmepumpe sowie
Elektroden-Heizstab

Ein Drittel Eigenerzeugung bis 2025

Zudem sind sogenannte iKWK-Anlagen in der konkreten Planung: Blockheizkraftwerke (BHKW) kombiniert mit Luftwärmepumpen und Elektroden-Heizstäben, sogenannte Power-to-Heat-Anlagen. In zwei Ausschreibungen der Bundesnetzagentur haben wir den Zuschlag für den Bau von iKWK-Anlagen erhalten. Über Power-to-Heat-Anlagen, in Verbindung mit dem Energie-und Zukunftsspeicher, kann künftig an wind- und sonnenreichen Tagen Strom in nutzbare Wärme umgewandelt und gespeichert werden.

Bis 2025 wollen wir weitere BHKW, vorwiegend auf Basis innovativer Kraftwärmekopplung, ausbauen. Zudem sollen neue kleine Kraft-Wärmekopplungs-, nachhaltige Fernkälteversorgungs- ­sowie zusätzliche PV-Anlagen entstehen. Zwischen 2020 und 2025 sind dazu Investitionen in Höhe von 50 Millionen Euro geplant. Rechnet man die Aktivitäten rund um die Erzeugung und Umwandlung von Energie zusammen, investieren die Stadtwerke Heidelberg 125 Millionen Euro bis 2025. Die Eigenerzeugung an Fernwärme wird im selben Zeitraum auf ein Drittel steigen.

FERNWÄRME-
ZIELFORMEL 2030

⅓ Erneuerbare,
⅓ CO2-freie Abwärme,
⅓ Bezug aus
Kraftwärmekopplung

Rund 4.000 Bürgerinnen und Bürger nutzen die einmalige Gelegenheit bei den Tagen der offenen Baustelle Ende März 2019, um den entstehenden
Energie-und Zukunftsspeicher von innen zu erleben.

Tag der offenen Baustelle

Offen und transparent –
Ausgezeichnet für die Einbindung der Bürger

Energiewende kann nur mit den Menschen funktionieren, nicht gegen sie. Gleichzeitig wissen wir: Die Materie ist komplex und nicht einfach zu vermitteln. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, mit vielen Partnern in den Dialog zu gehen und unser Vorgehen gut zu erklären. Seit der Veröffentlichung unserer Energiekonzeption 2020/ 2030 sind wir daher mit vielen Bürgern ins Gespräch gekommen. Zuletzt im Dezember 2019, als wir unsere Energiekonzeption 2020/ 2030 rund 2.000 Schülerinnen und Schülern von fünf weiterführenden Schulen vorgestellt haben.

Gold beim Stadtwerke Award 2019Auch beim Bau unserer Anlagen setzen wir auf Dialog und Transparenz: So hatten wir noch vor Baubeginn des Energie-und Zukunftsspeichers zu einem Lichterfest eingeladen, bei dem die Silhouette des Gebäudes per Laserstrahlen in den Nachthimmel gezeichnet wurde. Zahlreiche Besucher haben den entstehenden Speicher schon bei Führungen kennengelernt. Im März 2019 fanden schließlich die Tage der offenen Baustelle statt: Kurz bevor der Speicher erstmals mit Wasser befüllt wurde, konnten alle Interessierten dessen Innenraum besichtigen – bei einem Event mit viel Licht, Musik und Stahl. Rund 4.000 Besucher haben die einmalige Gelegenheit genutzt. Für die Einbindung der Bürger beim Speicherbau sind wir mit dem 1. Platz bei Stadtwerke Award 2019 ausgezeichnet worden.

Gemeinschaftsaufgabe Klimaschutz

Ab 2020 wird von Mai bis September die Wärme für die Grundlast, also den durchgängig benötigten Wärmebedarf, aus eigenen Erzeugungsanlagen und aus CO2-freier Abwärme stammen. Weitere Anlagen, die wir nun planen, müssen vor allem flexibel sein und dann produzieren, wenn die Nachfrage bei den Kunden groß ist. Unsere nächste Stellschraube für eine CO2-freie Zukunft ist daher, dass wir in den Winter-Monaten, in denen mehr Wärme gefragt ist, neue Quellen für grüne Wärme finden. Dazu brauchen wir engagierte Partner über die Grenzen Heidelbergs hinaus.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Partner in der Gesellschaft wärme.netz.werk Rhein Neckar, die wir zusammen mit dem Energieversorger MVV aus Mannheim gegründet haben. Im Dezember 2019 wurde zudem der Beitritt des Energieversorgers TWL aus Ludwigshafen angekündigt.

Gründung wärme.netz.werk Rhein Neckar

Im März 2019 wurde das wärme.netz.werk Rhein Neckar gegründet – eine Plattform, um Energiewende und Klimaschutz über die Stadtgrenzen hinweg gemeinsam voranzubringen.

50 % GRÜNE,
CO2-FREIE WÄRME

in Heidelberg
in 2020 erreicht

Ein gemeinsames Ziel der Partner ist es, in der Region dort die Potenziale für mehr grüne Wärme zu heben, wo die Voraussetzungen dafür am besten sind. Anfang 2020 hat daher ihr abfallgefeuertes Heizkraftwerk auf der Friesenheimer Insel ans Fernwärmenetz eingebunden und speist die Abwärme aus der Anlage seither in ihr Netz ein. Damit stieg im Februar 2020 auch der Anteil grüner Wärme in Heidelberg, zusammen mit der Eigenerzeugung, auf 50 Prozent.

In den kommenden Jahren will die Gesellschaft weitere Potenziale für grüne, CO2-freie Wärme in der Region erschließen und zudem die Netze zukunftsorientiert weiterentwickeln. Noch sind nicht alle Möglichkeiten, die wir – alleine oder mit Partnern – nutzen werden, bekannt. Doch auch bei der Veröffentlichung unserer Energiekonzeption 2020 im Jahr 2011 wussten wir noch nichts von unserem Energie- und Zukunftsspeicher. So, wie wir unsere Energiekonzeption seit 2011 kontinuierlich konkretisiert haben, werden wir auch künftig neue Maßnahmen für den Wandel des Energiesystems auf unsere Agenda setzen. Wir sind selbst gespannt, über was wir im Jahr 2030 berichten werden.

Die Welt von morgen – Energieerzeugung und
Wohnen wächst noch näher zusammen

Im bundesweiten Forschungsprojekt wärmenetze 4.0 arbeiten wir daran, das Fernwärmenetz zukunftsfähig aufzustellen und durch praktikable Konzepte zu ermöglichen, CO2-freie Wärme beispielsweise in Form von industrieller Abwärme oder aus oberflächennaher Geothermie ins Netz einzubinden. Denn dazu ist eine niedrigere Systemtemperatur erforderlich – und somit eine Neukonzeption des Netzbetriebes und der Technik in den Gebäuden nötig. Und dabei sind wir auf einem guten Weg. Mehr dazu…