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Stadtwerke Heidelberg Umwelt

¡KWK- Mehr als heisse Luft

Chillen mit gutem Gewissen – das geht besonders gut, wenn die kuschelige Wärme im Haus das
Klima schont. Weil sie aus Anlagen stammt, die Effizienz intelligent mit erneuerbaren ­Energien verbinden. iKWK heißt unser nächster Weg­abschnitt hin zu noch mehr »grüner« Wärme.

Stadtwerke Heidelberg

Umwelt

Den Stadtwerken Heidelberg Umwelt kommt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Energiekonzeption 2020/ 2030 zu: Die Gesellschaft plant und baut einen Großteil der Anlagen, mit denen der Konzern sein Ziel von einem Drittel Eigenerzeugung vorwiegend auf Basis erneuerbarer Energien und hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung erreichen möchte. Darüber hinaus bietet die Gesellschaft kommunale Services inklusive Straßenbeleuchtung an. Zum Ende des Jahres 2019 waren elf Mitarbeiter dort beschäftigt.

UNSER UMFELD

Eine besondere Rolle bei den Klimaschutzbestrebungen der Bundesregierung spielt die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): KWK-Anlagen sind im Vergleich zu anderen Anlagen effizienter, weil sie sowohl nutzbaren Strom als auch nutzbare Wärme produzieren und damit die eingesetzte Energie besonders effizient umwandeln. Zudem steht die Kraft-Wärme-Kopplung auch für die Verbindung zwischen den Sektoren Strom und Wärme, die in den nächsten Jahrzehnten immer stärker zusammenwachsen werden.

KWK-Anlagen werden aufgrund ihrer Effizienz schon seit 2002 gefördert. Die rechtliche Basis dafür ist das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG). Betreiber geförderter KWK-Anlagen erhalten zeitlich befristet Zuschlagszahlungen als Investitionsanreize. Finanziert werden sie über Umlagen auf den Strompreis, die vom Endverbraucher gezahlt werden. Der Förderrahmen für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wurde im Jahr 2019 noch einmal verlängert. Schon 2018 wurde er auf das Jahr 2025 erweitert. Im Jahr 2020 wird eine weitere Novellierung erwartet: Die Förderung wird voraussichtlich bis 2020 verlängert. Das verschafft auch den Stadtwerken Heidelberg Umwelt mehr Zeit für die Planung und die Suche nach geeigneten Standorten.

Mit der KWK-Ausschreibungsverordnung (KWKAusV) aus dem Jahr 2017 wurden zudem eingeführt, dass mittelgroße KWK-Anlagen mit einer installierten Leistung von einem bis 50 Megawatt nur dann eine Förderung erhalten, wenn sie bei einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur einen Zuschlag erhalten haben. Zudem wurden in der KWKAusV Ausschreibungen für sogenannte innovative KWK-Systeme festgeschrieben. Solche Systeme kombinieren flexible KWK-Anlagen mit erneuerbarer Wärme, beispielsweise aus Solarthermie-Anlagen oder Wärmepumpen. Damit sind sie besonders klimafreundlich und zukunftsfähig. Pro Kalenderjahr steht für innovative KWK-Systeme ein Ausschreibungsvolumen von 50 Megawatt bereit. Schon im Jahr 2018 hatten die Stadtwerke Heidelberg Umwelt bei einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Eine zweite folgte im Zuge der Ausschreibung vom Juni 2019. Damit können wir nun weitere Erzeugungsanlagen bauen, um den Anteil klimafreundlicher und grüner Wärme an der öffentlichen Wärmeversorgung zu steigern.

Wärme – selbst erzeugt und immer Erneuerbarer

Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt sind für den Bau der neuen Erzeugungsanlagen im entstehenden ENERGIEpark Pfaffengrund zuständig. In den vergangenen Jahren haben wir rund 30 Millionen Euro in das Holz-Heizkraftwerk sowie in vier Biomethan- und zwei Erdgas-Blockheizkraftwerke investiert.

Das Holz-Heizkraftwerk als größte der Erzeugungsanlagen wurde im Mai und im Oktober 2019 wieder den halbjährlichen Revisionen unterzogen. Zwischen diesen beiden Terminen werden regelmäßig Kontrollmessungen nach TÜV-Vorgaben durchgeführt. Insgesamt sind wir mit diesen Anlagen schon nah an unser Ziel herangekommen, rund ein Drittel der verteilten Wärme selbst zu erzeugen: Etwa 25 Prozent des Fernwärmebedarfs seiner Kunden produzieren sie inzwischen selbst, rund 20 Prozent sogar aus erneuerbaren Energien.

KLIMASCHUTZ
AUCH BEI DER
KÄLTE

durch immer grünere Fernwärme und höchste Effizienz

Infrastruktur im Technikgebäude

Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt bauen auch darüber hinaus die Infrastruktur im ENERGIEpark Pfaffengrund aus. So wurde in 2019 das Technikgebäude, in dem Komponenten zum Betrieb des Energie- und Zukunftsspeichers untergebracht sind, fertiggestellt. In dem Gebäude wurde auch bereits Technik zum Be- und Entladen des Speichers eingebaut.

Zudem wurde eine große Kälteanlage dort realisiert. Neben unseren eigenen Gebäuden am Standort wird sie die künftige Gastronomie auf dem Dach des Energie- und Zukunftsspeichers sowie Immobilien von Nachbarn mit Kälte versorgen. Die Anlage arbeitet unter anderem mit Fernwärme, um das Kältemittel Wasser auszudampfen. Kälte- und Wärmeenergie aus Fernwärme ergänzen sich dabei bestens: Kälte wird vor allem dann gebraucht, wenn es draußen warm ist und weniger Wärme gefragt ist. Die Anlage hat eine Kälteleistung von 500 Kilowatt.

Ausbau weiterer innovativer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Durch die erfolgreiche Teilnahme an zwei der bisherigen iKWK-Ausschreibungen, im Dezember 2018 und im Juni 2019, können die Stadtwerke Heidelberg den Anteil an eigenerzeugter und an erneuerbarer Wärme noch weiter erhöhen. Das Anlagenkonzept, mit dem wir an den Ausschreibungen teilgenommen haben, umfasste jeweils ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen und thermischen Leistung von je zwei Megawatt und einer erzeugten Wärmemenge von jeweils rund 6.000 Megawattstunden. Der regenerative Anteil, der bei der iKWK-­Ausschreibung gefordert wird, ist durch Luftwärmepumpen sichergestellt. Ihre thermische Leistung beträgt 1,5 Megawatt. Dazu wird jeweils eine Power-to-Heat-Anlage mit einer Leistung von 0,6 Megawatt gebaut. Die erste Anlage wird voraussichtlich im Jahr 2021 in Betrieb gehen, der Bau der zweiten wurde zum Zeitpunkt der Redaktion noch terminiert. Um diese und weitere Anlagen unterzubringen, ist ein zweites Technikgebäude auf dem Areal des ENERGIEparks Pfaffengrund geplant. Über die beiden geplanten Anlagen hinaus sollen weitere Anlagen entstehen – vorzugsweise auf Basis innovativer KWK.

Schnellere Wärmetransformation über den Ausbau der Heizwerke

Durch den Bau der neuen Anlagen findet nichts weniger statt als die Transformation der Wärmeversorgung hin zur Klimaneutralität. Dabei bauen wir auf der Infrastruktur an vorhandenen Standorten auf. Um in einer Übergangsphase, während der Transformationen in der gesamten Fernwärmeversorgung in der Metropolregion Rhein-Neckar stattfinden, einen beschleunigten Übergang zu ermöglichen, bauen wir unsere Heizwerke um und ergänzen sie: Diese Anlagen, die bei längerem Betrieb mit Gas sowie bei kurzfristigen Einsätzen zur Sicherstellung der Versorgung mit Öl laufen können, sollen durch weitere Kessel ergänzt werden. Zusammen stellen sie in der Übergangsphase die erforderlichen Versorgungsleistungen sicher – für einen schnelleren Übergang zur Klimaneutralität.

ÜBERGANGS-
LÖSUNG
HEIZWERKE

ermöglicht schnellere Transformation zur Klimaneutralität

In diesem Technikgebäude wurde 2019 die Technik zum Be- und Entladen des Energie- und Zukunftsspeichers aufgebaut. Ein weiteres geplantes Technikgebäude soll die iKWK-Anlagen beherbergen.

Technikgebäude für die Be- und Entladung des Energie- und Zukunftsspeichers
Technikgebäude für die Be- und Entladung des Energie- und Zukunftsspeichers

In diesem Technikgebäude wurde 2019 die Technik zum Be- und Entladen des Energie- und Zukunftsspeichers aufgebaut. Ein weiteres geplantes Technikgebäude soll die iKWK-Anlagen beherbergen.

Strassenbeleuchtung

Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt übernehmen verschiedene Services für die Stadt Heidelberg. Dazu gehört auch die Beleuchtung der Straßen im Stadtgebiet: Als Eigentümer der Straßenbeleuchtung sind sie zuständig für rund 15.000 Beleuchtungspunkte und 25.000 Leuchtmittel. Mit dem Betrieb der Anlagen sind die Stadtwerke Heidelberg Netze beauftragt. Die Energie für die Lichtlieferung liefern die Stadtwerke Heidelberg Energie.

Im Jahr 2019 wurde das Modernisierungsprogramm für die Straßenbeleuchtung fortgesetzt. Insgesamt werden seit 2017 6.500 Leuchten sukzessive auf LED-Technik umgestellt. Laut Planung spart eine neue Leuchte gegenüber den älteren Modellen 60 Prozent Energie ein. Der Energieverbrauch der Straßenbeleuchtung sollte so um ein Drittel sinken. Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt investieren etwa drei Millionen Euro in die neue Beleuchtung.

In den Wohngebieten und Anliegerstraßen setzen die Stadtwerke Heidelberg auf warmweißes Licht mit geringem Blauanteil bzw. von maximal 3.000 Kelvin. Zudem wird der Lichtkegel konsequent auf den Bereich der Straße und Gehwege gerichtet – dort, wo es hell sein soll. Die neuen Modelle reduzieren durch das gerichtete Licht, die niedrige Beleuchtungsklasse und einen geringen Blauanteil die Aufhellung des Nachthimmels und schützen so die Umwelt.

Bis Ende des Jahres 2019 hatten die Stadtwerke Heidelberg über 3.600 Leuchten über das gesamte Stadtgebiet verteilt ausgewechselt. Das ursprüngliche Ziel, die Arbeiten Ende 2020 abzuschließen, verschiebt sich wegen Personalausfällen sowie Neuausschreibungen auf 2021. Die gute Botschaft dabei: Die Energieeffizienz der neuen Leuchten hat sich inzwischen weiterentwickelt: Statt der ursprünglich avisierten Einsparungen von 60 Prozent pro Leuchte werden nun 77 Prozent erreicht. Insgesamt werden damit statt der ursprünglich geplanten 2,2 Gigawattstunden Strom 2,8 eingespart. Das entspricht dem Strombedarf von 1.150 Haushalten.

ENERGIE-
EINSPARUNG
ÜBERTROFFEN

Neue Leuchten reduzieren
Energieverbrauch sogar um
77 statt um 60 %

Modernisierte Straßenbeleuchtung

Die Modernisierung der Straßenbeleuchtung spart 2,8 Gigawattstunden Strom pro Jahr ein – das entspricht dem Strombedarf von 1.150 Haushalten.

Modernisierte Straßenbeleuchtung

Die Modernisierung der Straßenbeleuchtung spart 2,8 Gigawattstunden Strom pro Jahr ein – das entspricht dem Strombedarf von 1.150 Haushalten.

Kampagne fortgesetzt: Licht ins Dunkel – die Nacht neu entdecken

Begleitend zu dem Modernisierungsprogramm haben die Stadtwerke Heidelberg zusammen mit den Umweltschutzverbänden BUND Heidelberg und Ökostadt Rhein-Neckar die Kampagne Licht ins Dunkel­ – die Nacht neu entdecken gestartet. Ziele der Kampagne sind, das Bewusstsein für eine nachhaltige Beleuchtung zu fördern und einen sinnvollen Umgang mit Licht anzuregen. Seit Oktober 2018 finden dazu Events statt.

Mehr unter: www.licht-ins-dunkel-hd.de

Leistungen für die Stadt Heidelberg im Bereich Haustechnik und Energiecontrolling

Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt sind in etwa 200 Gebäuden der Stadt Heidelberg für Betrieb, Erneuerung und Erweiterung von Heizungs-, Sanitär- und Lüftungsanlagen zuständig. In rund 100 städtischen Liegenschaften werden die Energie- und Wasserverbräuche über eine Software täglich ausgelesen, um Schwachstellen im Verbrauch aufzudecken. Monatliche Energieberichte geben einen Überblick über das Verbrauchsverhalten und lassen auch Vergleiche zu anderen Zeiträumen zu.

Während der Earth Hour am 28. März jeden Jahres schalten die Stadtwerke Heidelberg in Kooperation mit der Stadt die Beleuchtung an der Alten Brücke für eine Stunde aus – als Zeichen für den Klimaschutz.

Earth Hour am 28. März
Earth Hour am 28. März

Während der Earth Hour am 28. März jeden Jahres schalten die Stadtwerke Heidelberg in Kooperation mit der Stadt die Beleuchtung an der Alten Brücke für eine Stunde aus – als Zeichen für den Klimaschutz.

Investitionen

Die Investitionen der Gesellschaft lagen im Jahr 2019 bei 7,2 (Vorjahr: 4,1) Millionen Euro. Diese Mittel flossen insbesondere in die Modernisierung der Straßenbeleuchtung sowie den Bau des Technikgebäudes im ENERGIEpark Pfaffengrund.

Umsatzentwicklung und Ertragslage

Die Stadtwerke Heidelberg Umwelt beendeten das Geschäftsjahr 2019 wie im Vorjahr mit einem Umsatz von 35 Millionen Euro. Der größte Teil der Umsatzerlöse wird durch Dienstleistungen an den bestehenden Anlagen der Gesellschaft bei Kunden gewonnen, ein weiterer maßgeblicher Anteil stammt aus der Stromerzeugung.

Ausblick

Auch in den nächsten Jahren ist es eine zentrale Aufgabe der Stadtwerke Heidelberg Umwelt, die Erzeugungsanlagen im ENERGIEpark Pfaffengrund sicher und verlässlich zu betreiben. Zudem wird die Projektierung der innovativen KWK-Systeme inklusive des Baus eines weiteren Technikgebäudes die Gesellschaft beschäftigen. Um die Erzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung weiter auszubauen, werden die Stadtwerke Heidelberg Umwelt die Planung und Umsetzung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen vorzugsweise mit iKWK-Technik vorantreiben.

Bis Ende 2021 wird außerdem das Modernisierungsprogramm für die Straßenbeleuchtung in Heidelberg umgesetzt.