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Kapitel einzeln

Heidelberger Strassen- und Bergbahn

CO2 muss leider UNTEN bleiben.

Rauf zum Schloss und auf den Berg – mit viel Fun, aber ohne CO2? Die Heidelberger Bergbahnen machen das möglich. Denn sie sind die ältesten ­Elektromobile in Heidelberg und seit zehn Jahren ausschließlich mit Ökostrom unterwegs.

Heidelberger Strassen- und

Bergbahn

Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn (HSB) übernimmt Management- und Finanzierungsfunktionen für die Stadt Heidelberg, um den Öffentlichen Personen­nahverkehr (ÖPNV) sicherzustellen und weiter voranzubringen. Die Gesellschaft ist zudem Investor und Eigentümer der Straßenbahn-Infrastruktur.

Eine weitere Aufgabe der HSB ist die technische Betriebsführung der Heidelberger Berg­bahnen im Auftrag der Stadtbetriebe Heidelberg, einem städtischen Eigenbetrieb. Die kaufmännische Betriebsführung der Bergbahnen übernimmt die Konzerngesellschaft der Stadtwerke Heidelberg.

Insgesamt sind 282 Mitarbeiter bei der HSB angestellt, davon 268 an die Rhein-Neckar-­Verkehr GmbH (rnv) überlassen. Hinzu kommen 44 Teilzeitkräfte als Wagenbegleiter und Servicekräfte bei den Heidelberger Bergbahnen.

Arbeitsteilung für den ÖPNV in Heidelberg

In Heidelberg sind Bus und Bahn arbeitsteilig organisiert: Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) ist für den Fahrbetrieb mit allen praktischen und organisatorischen Aufgaben zuständig und führt im Auftrag der Heidelberger Straßen- und Bergbahn das Baugeschäft aus. Das Unternehmen wurde zum 1. Oktober 2003 von fünf zuvor in der Region tätigen kommunalen Verkehrsunternehmen gegründet. Eines davon war die Heidelberger Straßen- und Bergbahn. Die Gesellschaft der Stadtwerke Heidelberg hat der rnv ihre früheren Beschäftigten überlassen. Ende 2019 betrug die Anzahl der überlassenen Beschäftigten 268 (Vorjahr: 289) Personen.

Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn ist seither für eine Reihe von strategischen und koordinierenden Aufgaben zuständig, außerdem übernimmt sie einen Großteil der finanziellen Defizite aus dem ÖPNV in Heidelberg. Die Gesellschaft ist als Investor und Eigentümer der Straßenbahn-Infrastruktur auch verantwortlich für die Finanzierung und das Fördermittelmanagement bei Infrastrukturprojekten wie dem Mobilitätsnetz Heidelberg. Ergänzend übernimmt sie für die Stadt Dienstleistungen zur Abstimmung zwischen städtischen Stellen und der rnv. Dazu wurde eine ÖPNV-Koordinationsstelle eingerichtet. Für all diese Aufgaben steht ihr ein kaufmännisches und technisches Projektcontrolling bei den Stadtwerken Heidelberg zur Verfügung.

Unser umfeld

Der Öffentliche Personennahverkehr spielt eine wichtige Rolle, um den Klimaschutz und die Luftqualität in den Städten zu fördern. Um durch ein noch attraktiveres Angebot immer mehr Menschen für den Umstieg auf Bus und Bahn zu gewinnen, haben die Stadt Heidelberg, die rnv und die Heidelberger Straßen- und Bergbahn im Jahr 2015 das Großprojekt Mobilitätsnetz Heidelberg gestartet – das größte Ausbauprogramm des Straßenbahnnetzes seit den Nachkriegsjahren.

Die Fahrpreise für die Nutzung von Bus und Bahn spiegeln in der Regel jedoch nicht die vollen Kosten für ihren Betrieb und die Infrastruktur wider. Der ÖPNV ist meist ein Zuschussgeschäft. Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn trägt zu einer Reduzierung dieser Defizite bei, indem sie sich für einen wirtschaftlichen Ausbau der Straßenbahn-Infrastruktur einsetzt und Fördermittel akquiriert.

Die gestiegene gesellschaftliche Bedeutung des Klimaschutzes in 2019 führte zu verbesserten Förderbedingungen für den ÖPNV. So hat der Bundestag beschlossen, dass für Großprojekte mit über 50 Millionen Euro zuwendungsfähigen Kosten künftig mehr Mittel im GVFG-Bundesprogramm zur Verfügung stehen sollen: Der Programmetat steigt ab 2021 von jährlich 333 Millionen auf eine Milliarde Euro. Im Rahmen des Klimaschutzpakets der Bundesregierung ist eine weitere Erhöhung auf zwei Milliarden Euro ab 2025 vorgesehen.

Das Land Baden-Württemberg hat zudem das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) überarbeitet und im Dezember 2019 beschlossen. Ab 2020 sollen wieder Schienenfahrzeuge gefördert werden, außerdem wird der Fördersatz für den barrierefreien Ausbau von Haltestellen auf bis zu 75 Prozent erhöht. Das Programm wird finanziell aufgestockt.

Mobilitätsnetz Heidelberg

Mit dem Mobilitätsnetz Heidelberg wurde das Straßenbahnnetz inzwischen schon deutlich ausgebaut. Neue und optimierte Verbindungen haben ihren Betrieb aufgenommen. Auch die fünfte Teilmaßnahme Hauptbahnhof und Kurfürsten-Anlage West wurde im geplanten Zeit- und Budgetrahmen fertiggestellt. Am 11. September 2019 fand die feierliche Inbetriebnahme statt. Als besonderer Gast sprach Landesverkehrsminister Winfried Hermann eine Laudatio auf das Projekt. Mit diesem Meilenstein sind alle bisher umsetzbaren Teilmaßnahmen des Mobilitätsnetzes baulich abgeschlossen. Für die im GVFG-Bundesprogramm aufgenommenen weiteren Teilmaßnahmen Neuenheimer Feld, Altstadt und Eppelheim-Schwetzingen besteht der­zeit kein Baurecht.

MOBILITÄTS-
NETZ HEIDELBERG

Bau der umsetzbaren Maßnahmen fertig

Vorbehaltlich der Endabrechnung des Teilprojekts Hauptbahnhof hat die HSB für die fünf umgesetzten Teilprojekte insgesamt 68,5 Millionen Euro investiert. Ein ungewöhnliches Ergebnis: Denn damit lagen die Kosten für diese Maßnahmen rund 5,5 Millionen Euro bzw. 7,5 Prozent unter dem geplanten Budget. Das ist für ein Projekt dieser Größenordnung eine Besonderheit. Gründe für das gute Ergebnis liegen in einer erneuten Ausschreibung für den Hauptbahnhof, die zu verbesserten Ergebnissen trotz angespannter Lage auf dem Markt des Baugewerbes führte, sowie in einem intensiven Projektcontrolling durch die HSB.

VOLLER
ERFOLG

für das Mobilitätsnetz Heidelberg: rund 5,5 Millionen Euro günstiger als geplant

Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) und das Land Baden-Württemberg fördern das Mobilitätsnetz mit Zuschüssen aus dem GVFG-Bundesprogramm. Insgesamt wurden 42,1 Millionen Euro Zuwendungen zugesagt, von denen über Abschlagszahlungen bereits rund 90 Prozent abgerufen wurden.

Verkehrs­infrastruktur in Heidelberg 2019 2018 2017
Länge der Straßenbahngleise (km) 54,0 53,91 50,7
Linienlänge Bergbahn2(km) 1,5 1,5 1,5

1 | Zuwachs gegenüber 2017 durch Inbetriebnahme des Bahnstadt-Bauabschnitts 6 und des zweiten Gleises über die BAB-Brücke am 9. Dezember 2018

2 | Stadtbetriebe Heidelberg

Keine Verlagerung des Betriebshofs zum GroSSen Ochsenkopf

Die HSB ist auch Eigentümer des Geländes in Bergheim, das die rnv als Standort für ihren Betriebshof nutzt. Seit vielen Jahren ist das Gelände zu eng für die zunehmende Anzahl von Bussen und Bahnen. Zudem führte die langjährige Debatte um einen geeigneten neuen Standort zu einem Sanierungsstau. Im Dezember 2018 fiel ein Entschluss des Gemeinderats zur Verlagerung des Standorts an den Großen Ochsenkopf. Eine Bürgerinitiative setzte sich 2019 jedoch erfolgreich für einen Bürgerentscheid gegen die Standortverlagerung ein. Nach einer breiten öffentlichen Diskussion fand der Entscheid im Juli 2019 statt. Die notwendige Mindeststimmzahl gegen die Bebauung des Großen Ochsen­kopfes wurde zwar nicht erreicht, doch im Oktober 2019 entschied der neue Heidel­berger Gemeinderat mit einer Stimme Mehrheit gegen die Bebauung der Frei­fläche. Nun sollen die Planungen für den Betriebshofneubau am bisherigen Standort wieder aufgenommen werden.

Die HSB ist Eigentümer des rnv-Betriebshof-Geländes am ehemaligen Schlachthof in Bergheim. Im Oktober 2019 fiel eine Entscheidung gegen seine Verlagerung auf den Großen Ochsenkopf.

rnv-Betriebshof-Geländes am ehemaligen Schlachthof in Bergheim
rnv-Betriebshof-Geländes am ehemaligen Schlachthof in Bergheim

Die HSB ist Eigentümer des rnv-Betriebshof-Geländes am ehemaligen Schlachthof in Bergheim. Im Oktober 2019 fiel eine Entscheidung gegen seine Verlagerung auf den Großen Ochsenkopf.

Beliebte Heidelberger Bergbahnen

Die Heidelberger Bergbahnen, die moderne untere sowie die obere mit den Originalwagen aus dem Jahr 1907, werden im Auftrag der Stadtbetriebe Heidelberg von der HSB betrieben. Die Bahnen mit Stationen am Kornmarkt, am Heidelberger Schloss, an der Molkenkur und am Königstuhl gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Heidelberg. Seit dem Jahr 2009 fahren die Bergbahnen mit 100 Prozent Ökostrom. Damit sind sie nicht nur die ältesten Elektromobile Heidelbergs, sondern auch vorbildlich umweltschonend.

Vom 7. Januar bis zum 7. April 2019 fand die große Revision statt, eine umfassende Sicherheitsprüfung, bei der unter anderem die Fahrwerke der unteren Bahn von der Karosserie getrennt und für eine Generalüberholung zur Herstellerfirma in die Schweiz transportiert wurden. Die große Revision findet alle sechs Jahre statt.

MIT NULL
EMISSIONEN AUF DEN BERG

10 Jahre Ökostrom
für die Bergbahnen

große Revision

Bei der großen Revision wurden die Fahrwerke von der Karosserie getrennt und in der Schweiz überholt.

große Revision

Bei der großen Revision wurden die Fahrwerke von der Karosserie getrennt und in der Schweiz überholt.

ÜBER 100
IDEEN VON
MITARBEITERN

für ein noch schöneres
Erlebnis Bergbahn

Runder Tisch Bergbahn/ Schloss für Verkehrsentlastung

Seit dem Jahr 2013 treffen sich Vertreter der Stadt, der Gästeführer, des Heidelberger Schlosses, der Schlossberginitiative sowie der Bergbahnen regelmäßig zu einem Austausch, um das Angebot rund um die Bergbahnen und das Schloss Heidelberg für Bürger und Gäste weiter zu optimieren. In 2019 standen unter anderem Abstimmungen zu Veranstaltungen, Baustellen rund um Berg­bahn und Schloss sowie die Bewirtschaftung der Busparkplätze auf der Agenda des Runden Tisches.

Projekt Bergbahn 2020

Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn hat im Jahr 2019 das Projekt Bergbahn 2020 zur Ideenfindung mit ihren Beschäftigten aufgesetzt, um das Erlebnis Bergbahn für Gäste und Mitarbeiter weiter zu verbessern. Über einhundert Ideen kamen zusammen, viele davon wurden bereits umgesetzt. Die Maßnahmen reichten von Optimierungen bei den Werbemitteln über eine verbesserte grafische Darstellung der Bergbahnstationen auf Flyern und Aushangtafeln bis hin zu Kursen und E-Learning-Programmen für bergbahnspezifische Redewendungen auf Englisch, Französisch und Spanisch. Außerdem wurden die Saisonstarts vereinheitlicht. Ein neuer Gästeführerleitfaden trägt dazu bei, größeren Gästegruppen den Besuch der Bergbahn so angenehm wie möglich zu gestalten.

Führungen an der bergbahn

2004 wurden die Heidelberger Bergbahnen als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch des Landes eingetragen. Deshalb lädt die Heidelberger Straßen- und Bergbahn immer wieder zu öffentlichen Führungen ein. So wurden auch am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, den 8. September 2019, mehrere Termine angeboten: Auf der Fahrt zum Königstuhl gab ein langjähriger Berg­bahn-Wagenbegleiter an den einzelnen Stationen lebendige Einblicke in die Geschichte der Bergbahnen und die Veränderungen der Technik im Laufe des 130-jährigen Bestehens der Bahn.

Investitionen und Zuschüsse

Die Investitionen in Sachanlagen betrugen 18,2 (Vorjahr: 29,3) Millionen Euro. Die Mittel flossen vor allem in die abzuschließenden Teilprojekte des Mobilitätsnetzes. 11,9 (Vorjahr: 14,8) Millionen Euro davon konnten als Fördermittel gewonnen werden.

Investitionen und zuschüsse

Investitionen (Mio. €)

2019 2018 2017
18,2 29,3 32,0

 

Zuschüsse (Mio. €)

2019 2018 2017
11,9 14,8 14,3

 

Fahrgäste und Umsatzerlöse der Bergbahn

Die Anzahl der Fahrgäste wächst seit Einführung des Schlosstickets, eines kombinierten Eintritts von Bergbahnfahrt und Schlosseintritt für die untere Bergbahnstrecke bis zur Station Molkenkur, kontinuierlich. Auch 2019 lag sie trotz der dreimonatigen großen Revision bei 1,89 (Vorjahr: 2,11) Millionen. Die Umsatzerlöse, die daraus generiert werden, fallen bei den Stadtbetrieben Heidelberg an.

Ausblick

Der Ausbau des ÖPNV ist eine wesentliche Stellschraube auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. Um die Klimaschutzziele der Stadt Heidelberg zu erreichen, stehen in den nächsten Jahren umfassende Investitionen in klimaneutrale Fahrzeugantriebe und den Ausbau des Fahrtenangebots an. Als ÖPNV-Koordinator in Heidelberg sowie als Betriebsführer der Bergbahn ist es das zentrale Anliegen der HSB, eine ökonomisch nachhaltige Finanzierung des ÖPNV zu erreichen. Dazu wird sich die Gesellschaft auch weiter über die Gremien der rnv für zielgruppengerechte Angebote und Services sowie für eine hohe Wirtschaftlichkeit einsetzen. Durch ein effektives Dienstleistungsangebot will die HSB außerdem einen wichtigen Beitrag zur umweltorientierten Strategie der Stadtwerke Heidelberg leisten.

Eine hohe Attraktivität der Bergbahn bleibt ein weiteres Ziel. Konkret geplant ist die Einrichtung eines Webshops für den Ticketverkauf sowie ein neuer Merchandising-Verkaufsstand am Kornmarkt.